Sonntag, 28. Februar 2016

Rhabarber

Meine Güte, ich kann mich noch an unseren ersten eigenen Rhabarberstock erinnern. Er stand hier im Garten und war ein Erbstück meines Vaters. Ein riesiges Ungetüm, aber am falschen Ort…


Ich hatte ja keine Ahnung vom Gärtnern – hätte ich damals nur besser zugehört als Jugendliche, aber wer interessiert sich schon für Gartenbau bevor man einen eigenen Garten hat. Na ja ich gehörte jedenfalls sicher nicht zu dieser Sorte von Jugendlichen, ich habe meinen grünen Daumen erst später im Leben entdeckt.
So wusste ich  nicht wie ich mit diesem Riesen verfahren sollte. Internet gab es noch nicht wirklich und die alten Gartenbücher Jahrgang Urgrossmama waren mir auch keine Hilfe.
Die Pflanze war schon sehr alt und die grünen Stängel hatten bei der Ernte gewaltige Fäden, die man beim Rüsten abziehen musste. Nicht destotrotz. Ich kann eine Pflanze nicht willentlich umbringen (ich kann zwar ungeliebte Topfpflanzen über den Winter nach draussen stellen und sie erfrieren lassen* . Aber aktiv töten, da habe ich Mühe

*Ich schäme mich auch dafür und lieber schenke ich sie weiter, wenn sich jeweils an Abnehmer findet.


Also zurück zum Rhabarber: Ich konnte ihn also nicht umbringen. So habe ich gegraben mit Schaufel und Stechgabel, bis ich Knietief im Dreck stand und noch immer waren da Wurzeln. Sch…..
So musste ich eheliche Hilfe herbeiholen und mein Mann hat dem armen Kerl (dem Rhabarber) mit ein paar Pickelschlägen den Gar aus gemacht. So dachte ich jedenfalls. Aber ein abgetrenntes Teil des Stocks habe ich am neuen Ort wieder eingebuddelt, ihm gut zugeredet. Liebevoll mit Mist zugedeckt und siehe da. Er wuchs wieder.

Heute bin ich Besitzerin von zwei unterschiedlichen Rhabarber-Stöcken: Einer neueren Erdbeer-Rhabarber und noch immer des alten Erbstücks, da weiss ich die Sorte nicht, es ist eine durch und durch grüne Sorte.


Die „Erdbeer“ besticht durch ihre roten Stängel, ich mag diese schon optisch lieber als die Grünen. Auch dünkt mich, dass sie leichter zu rüsten sind.
Wir schneiden von ihm Dippstängeli, so wie man Rüebli für einen Dip rüstet und diese tunken wir dann ganz dekadent in Zucker oder in Vanillezucker um direkt davon abzubeissen.

Von den Grünen gibt  es jede Saison natürlich den Sirup mit dem Rezept vom letzten Newsletter und selbstverständlich noch Rhabarber-Wähe oder sagt man bei Euch „Rhabarber-Fladen“ so wie hier bei uns im Rheintal ? Egal wie das Ding heisst, es schmeckt.

Also Rhabarber im Garten zu haben, ist wirklich keine Kunst. Bloss vielleicht eine Platzfrage. Er benötigt schon gut einen Quadratmeter für sich ganz alleine. Ausserdem ist er ein Vielfrass und ist dankbar für eine Schaufel Kompost bevor er im Frühling austreibt. Wenn Sie noch keinen Rhabarber haben, dann können Sie diesen jetzt schon pflanzen. Im Lubera Shop habe ich gesehen, dass es  VIER Sorten im Angebot gibt, davon eine (Livingstone) die man sogar bis zum Herbst ernten darf.
Die anderen Sorten sollte man nach Juni nicht mehr beernten, da die Oxalsäure in den Stängeln zu hoch wird. Ausserdem braucht die Pflanze ihre Blätter um genug Reserven für den kommenden Winter zu bilden.
So, ich geh jetzt gleich nach draussen und  schaue unter meinen umgedrehten Blumentöpfen nach ob schon so rötliche Knospen zu sehen sind. Ich hoffe es sehr, denn dann geht die Rhabarber Ernte bald los!


Die Ernte muss dann einfach bis zum kommenden Jahr warten.

Wobei ich zugeben muss:  wir haben ein paar Stängel schon im ersten Jahr abgedreht und gedippt. Aber wirklich nur einen pro Familienmitglied!

Grüess Pascale